Philips in Russland. Teil 2

Август 22, 2013

 Am Mikrophon begrüßt Sie Vladimir Ustyuzhanin. Heute setzen wir das letzte Woche begonnene Gespräch mit dem Generaldirektor der Firma Philips Russland Herrn Arjan de Jongste fort.


Herr de Jongste, welche Marketingmittel verwenden Sie, um russische Kunden zu locken?


Ich würde sagen, wir verwenden alle möglichen Marketingmittel – das wichtigste davon ist Fernsehen. Für unsere Werbekampagnen laden wir dabei meistens die Leute ein, in die russische Kunden viel Vertrauen haben.
Können Sie vielleicht ein paar Beispiele anführen?


Ja. Für die Werbung von unseren Schönheitsprodukten luden wir zum Beispiel die berühmte russische Sängern Zhanna Friske ein, für Haarpflegeprodukte waren das professionelle Friseure, im Bereich Gesundheitswesen luden wir Experten in kardiovaskulären Erkrankungen ein und so weiter. Es bringt natürlich viel mehr als wenn die Vertreter von „Philips“ für ihre Produkte selbst werben würden.

Auf welche Schwierigkeiten stößt ihre Firma in Russland? Wie überwinden Sie diese Hindernisse?


Also Probleme, die auftauchen, bringen öfters neue Möglichkeiten mit sich. In Russland gibt es natürlich sehr viele bürokratische Verfahren und sehr strenge Vorschriften. Einerseits ist es gut. Andererseits achten Leute öfters viel mehr auf die Vorschriften als auf das, was für sie gut sein könnte. Ich führe hier ein Beispiel an. Die LED-Beleuchtung ist teurer als die alte Technologie. Wie kann man einem erklären, dass der beste Preis nicht immer den besten Kauf garantiert? Die traditionelle Beleuchtung kostet weniger nur am Anfang – auf Dauer wird es wegen der Wartungsskosten viel teurer sein als LED. Und es ist öfters schwierig für Innovationsfirmen, diese Idee klarzumachen.


Eine andere Sache. Ich wünschte mir, dass die Anmeldung und das Testen von Produkten einfacher wären sowie den internationalen Standards mehr entsprechen würden. Dann hätten die Produkte einen viel schnelleren Zugang zum russischen Markt. Momentan ist es ein sehr langer und mühseliger Prozess. Zum Beispiel im Bereich Gesundheitswesen kommen die Innovationen in Russland 8 Monate später an als anderswo. Und es ist natürlich schade.


Hat Philips irgendwelche Partnerschaftsprogramme mit verschiedenen Organisationen und Bildungseinrichtungen in Russland?


Wenn eine Firma lokal relevant werden und russische Kunden direkt ansprechen will, sollte sie unbedingt versuchen, mit hiesigen Partnern zu kooperieren. Im Bereich Bildung haben wir zum Beispiel einige Partnerschaftsprogramme mit angesehenen russischen Hochschulen. Wir organisieren MBA-Studiengänge für Ärzte zusammen. Dort lernt man, wie man ein Klinikum verwalten soll – das sind Kenntnisse, die Leute nicht immer während eines Medizinstudiums erwerben können.


Wir arbeiten auch mit manchen russischen Herstellern von LED-Lampen und medizinischen Geräten sehr eng zusammen. Da wollen wir unsere Kenntnisse, Erfahrungen sowie Technologien kombinieren und somit erfolgreiche Teams in diesen Segmenten bilden, was Kunden in Russland viel Nutzen bringen kann.


Welche Auswirkung hatte die Weltwirtschaftskrise von 2008 auf Ihre Position auf dem russischen Markt?
Das war natürlich keine besonders gute Zeit für uns. Unser Geschäft war damals geschrumpft und dadurch haben wir gemerkt, wie empfindlich wir sind. Ich glaube, wir haben die Krise vor allem dank einer sehr effizienten inneren Organisation überstanden und wir sind jetzt viel stabiler geworden als zuvor. Die Krise hatte natürlich eine schlechte Auswirkung auf die russische Wirtschaft, aber die Perspektive des Langzeitwachstums ist in Russland jedoch unberührt geblieben.


Ich glaube, die Märkte sind nach der Krise sehr schnell wieder gesund geworden. Das Geschäft läuft jetzt eigentlich viel besser als vor der Krise. Man muss sich nur vergewissern, dass man sehr schnell auf alle möglichen Veränderungen reagieren kann. Das ist meiner Meinung nach ein Erfolgsrezept in jeder sich sehr schnell entwickelnden Region wie Russland.


Warum ist die Lage nach der Krise besser für Sie als davor?


Die Märkte sind grösser. Zum Beispiel die Investitionen in Gesundheitswesen und das Verständnis, dass wir die Infrastruktur verbessern sollten, haben einen neuen Markt gebildet, der viel grösser ist als der vor der Krise. Außerdem können wir merken, dass die Kaufkraft der Mittelschicht in Russland sich in den letzten Jahren wesentlich erhöht hat.


Herr de Jongste, was sind die Zukunftspläne von Philips in Russland?


Wir streben danach, immer lokal relevanter zu werden. Wir suchen interessante Partnerschaften nicht nur in Verkauf und Marketing, sondern auch in Produktion. Wir wollen eine russische Firma werden, die zum Philips-Konzern gehört. Mit eigenen Finanzdienstleistungen, so dass wir nicht vom Staatbudget abhängen, sondern auch in die Infrastruktur investieren und davon profitieren können. Ich glaube, das sind die Leitlinien unserer Entwicklung in den nächsten 2 bis 4 Jahren. Was kommt danach – kann ich noch nicht sagen. Wir leben doch in einer sehr dynamischen Welt.

 

http://german.ruvr.ru/radio_broadcast/4003214/236077305/